Was bedeutet zertifizierte Naturkosmetik?
Ein überraschender Fakt gleich vorweg: Der Begriff „Naturkosmetik" ist in Deutschland gar nicht geschützt. Jeder Hersteller darf ein Produkt so nennen, selbst wenn nur ein einziger pflanzlicher Inhaltsstoff darin steckt. Das klingt erst einmal ernüchternd. Für dich beim Einkauf heißt es aber vor allem: Du brauchst einen verlässlichen Anhaltspunkt, wenn du wissen willst, was wirklich in einer Creme steckt. Genau hier setzt zertifizierte Naturkosmetik mit ihren unabhängigen Siegeln an.
In diesem Artikel erklären wir dir, was zertifizierte Naturkosmetik ausmacht und welche Siegel es gibt. Und wir sagen ehrlich, wo ihre Grenzen liegen.

Warum es kein einheitliches Naturkosmetik-Gesetz gibt
Im Kosmetikregal ist die Verwirrung oft groß. Das liegt daran, dass es kein einheitliches EU-weites Naturkosmetik-Gesetz gibt. Stattdessen haben sich verschiedene private Siegel etabliert, die jeweils eigene Standards setzen. Sie füllen also eine Lücke, die der Gesetzgeber offenlässt.
Das Wort „kontrolliert" spielt dabei eine wichtige Rolle. Es bedeutet, dass externe Zertifizierer regelmäßig prüfen, ob die Unternehmen und ihre Produkte die Standards auch tatsächlich einhalten. Keine Selbstauskunft also, sondern eine Prüfung von außen. Ein Detail solltest du dabei kennen: Zertifiziert werden immer nur einzelne Produkte, nicht ganze Firmen. Ein Siegel auf der einen Creme sagt deshalb nichts über das gesamte Sortiment aus.
Die wichtigsten Siegel: COSMOS und NATRUE
Zwei Siegel begegnen dir besonders häufig. Beide lohnen einen genaueren Blick.
Der COSMOS-Standard wird von der gemeinnützigen und unabhängigen Organisation Cosmos-Standard AISBL mit Sitz in Brüssel verwaltet. Gegründet wurde er von mehreren europäischen Naturkosmetik-Verbänden, darunter der deutsche BDIH, die französischen Organisationen Cosmebio und Ecocert, ICEA aus Italien und die britische Soil Association. Ziel war, gemeinsame Kriterien und Definitionen für Bio- und Naturkosmetik festzulegen. COSMOS unterscheidet zwei Stufen. Bei COSMOS organic müssen mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau stammen, wobei Wasser und Mineralien nicht mitgerechnet werden. Bezogen auf das Gesamtprodukt kann der Bio-Anteil daher deutlich niedriger liegen. Bei COSMOS natural gelten etwas andere Vorgaben.
Interessant ist auch, was COSMOS klar ausschließt. Die Produkte kommen ohne Inhaltsstoffe aus der Erdölchemie aus. Verboten sind außerdem gentechnisch gewonnene Zutaten und Tierversuche. Mit Nanomaterialien geht der Standard grundsätzlich restriktiv um, es gibt nur eng gefasste Ausnahmen, etwa für bestimmte mineralische UV-Filter. Sogar die Verpackung wird mitgedacht. Sie muss wiederverwendbar, recycelbar oder recycelt sein.
Das NATRUE-Siegel entstand 2007 auf Initiative der Naturkosmetikbranche. Zu den Gründungsmitgliedern gehören bekannte Namen wie Wala, Weleda, Laverana, Primavera und Logocos. Ziel war eine klare, einheitliche Definition für Natur- und Bio-Kosmetik, als Schutz vor Greenwashing und irreführenden Werbeaussagen. NATRUE-zertifizierte Produkte bestehen zu 100 Prozent aus natürlichen, naturnahen oder naturidentischen Inhaltsstoffen. Dazu zählen Pflanzenextrakte und ätherische Öle, aber auch naturnahe Stoffe wie Glycerin aus Pflanzenölen.
Auch wir setzen genau hier an: Santaverde ist NATRUE-zertifiziert. Dazu kommen eine Vegan-Zertifizierung, ein Bio-Zertifikat für den kontrolliert biologischen Anbau unserer Aloe Vera in Andalusien sowie PETA Approved und Cruelty Free für den konsequenten Verzicht auf Tierversuche.
Eine Besonderheit hat NATRUE gegenüber anderen Siegeln. Als einziger Siegelgeber schreibt es für die einzelnen Produktkategorien Mindestanteile an Naturstoffen und Maximalanteile an naturnahen Stoffen vor. Geprüft wird in zwei Schritten. Zuerst reicht das Unternehmen Unterlagen ein, die ein Zertifizierer beurteilt. Danach überprüft dieser vor Ort, ob die Herstellung wirklich mit den Angaben übereinstimmt.
Was alle seriösen Siegel gemeinsam haben
So unterschiedlich die Standards im Detail sind, ein gemeinsamer Nenner zieht sich durch: der Verzicht auf erdölbasierte und gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe. Erlaubt sind dagegen in engen Grenzen naturidentische Stoffe wie bestimmte Konservierer. Statt klassischer synthetischer Konservierungsstoffe kommen häufig ätherische Öle und Alkohol zum Einsatz. Daneben dürfen zugelassene naturidentische Konservierer wie Benzoesäure, Sorbinsäure oder Benzylalkohol verwendet werden. Mikroplastik, hormonell wirksame Substanzen, Paraffine und Erdölprodukte sind grundsätzlich ausgeschlossen.
Ein wichtiger Baustein vieler Standards ist zudem der konsequente Verzicht auf Tierversuche. Wir engagieren uns hier auch über das Regal hinaus und unterstützen die Save-Cruelty-Free-Cosmetics-Initiative für ein endgültiges Verbot von Tierversuchen in Europa.
Das ist der eigentliche Kern zertifizierter Naturkosmetik. Du bekommst eine überprüfbare Zusage darüber, was nicht enthalten ist und woher die Rohstoffe stammen. Wie unabhängige Tests solche Zusagen bewerten, zeigen unter anderem unsere ÖKO-TEST-Auszeichnungen.
Wo die Grenzen eines Siegels liegen
Jetzt kommt der ehrliche Teil, der uns wichtig ist. Ein Siegel garantiert nicht alles, was man ihm gern zuschreibt.
Zertifizierte Naturkosmetik ist zum Beispiel nicht automatisch vegan. Auch Produkte mit COSMOS- oder NATRUE-Siegel können Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs enthalten, etwa Bienenwachs, Seide, Milch oder Honig. Ein Siegel sagt außerdem nichts über die Hautverträglichkeit im Einzelfall. Auch zertifizierte natürliche Inhaltsstoffe können Allergien auslösen. Naturkosmetik ist also nicht per se reizfrei für jede Haut. Und ein Wirksamkeitsnachweis ist ein Siegel schon gar nicht. Es definiert Grenzen für Inhaltsstoffe, keine Mindeststandards für die Wirkung.
Ein Blick auf die Verpackung hilft ebenfalls. Ein Aufdruck wie „mit natürlichem Aloe Vera" kann bedeuten, dass nur ein sehr kleiner Anteil Aloe enthalten ist und der Rest aus ganz anderen Stoffen besteht. Die vollständige Zusammensetzung findest du in der INCI-Liste. Die ist allerdings in einer lateinisch-englischen Fachsprache verfasst. Manches pflanzliche Tensid klingt darin chemisch, etwa das gut verträgliche Sodium Cocoyl Glutamate. Paraffinum Liquidum dagegen ist kein Pflanzenname, sondern ein aus Erdöl gewonnenes Öl, also Mineralöl. Ein Siegel nimmt dir dieses Entziffern ab.

Aloe Vera als Beispiel für einen durchdachten Rohstoff
Wie sehr es auf Herkunft und Verarbeitung ankommt, zeigt sich gut an Aloe Vera. Bei uns bildet Aloe-Vera-Direktsaft aus biologischem Anbau in Andalusien die Grundlage der Rezepturen, statt der sonst üblichen Wasserbasis. Das erklärt auch, warum ein hoher, wirklich pflanzlicher Anteil überhaupt möglich ist.
Was die Pflanze für die Haut leisten kann, sollte man nüchtern betrachten. Eine Auswertung von 23 Studien kam zu dem Ergebnis, dass Aloe Vera dazu beitragen kann, die Feuchtigkeit der Haut zu erhalten. Gleichzeitig gilt: Aloe Vera ist ein sehr beliebter Kosmetik-Inhaltsstoff, ein umfassender medizinischer Wirknachweis ist das aber nicht. Fachleute stufen die Qualität vieler klinischer Studien als eher gering ein. Was gute Pflege leisten kann, ist die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und ihr ein beruhigtes, ausgeglichenes Hautgefühl zu geben. Genau darauf kommt es im Alltag an. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, lohnt sich unser Beitrag dazu, was Aloe Vera für die Haut wirklich kann.
So findest du gute zertifizierte Naturkosmetik
Ein paar Punkte helfen dir bei der Orientierung:
- Achte auf ein anerkanntes Siegel wie COSMOS oder NATRUE, nicht nur auf das Wort „Natur" auf der Vorderseite.
- Wirf einen Blick auf den Anfang der INCI-Liste. Was dort zuerst steht, ist mengenmäßig am stärksten vertreten.
- Wenn dir vegane Pflege wichtig ist, suche zusätzlich nach einem entsprechenden Vegan-Siegel oder einer PETA-Approved-Kennzeichnung. Naturkosmetik allein garantiert das nicht.
Wenn du unsere zertifizierte Naturkosmetik ausprobieren möchtest, ist das aloe vera gel pur ein guter Einstieg. Es versorgt die Haut unkompliziert mit Feuchtigkeit und lässt sich pur oder unter einer Creme verwenden. Für trockenere Haut eignet sich die cream rich, die reichhaltiger pflegt und ein geschmeidiges Hautgefühl hinterlässt. Wer sein Hautbild zusätzlich verfeinern möchte, nimmt das pure refining serum in die Routine auf.

Häufige Fragen
Ist zertifizierte Naturkosmetik automatisch besser für meine Haut?
Nicht zwangsläufig. Ein Siegel definiert, welche Inhaltsstoffe erlaubt sind und woher sie stammen. Wie gut ein Produkt bei deiner individuellen Haut funktioniert, sagt es aber nicht. Ausprobieren bleibt wichtig.
Ist Naturkosmetik dasselbe wie vegan?
Nein. Auch zertifizierte Naturkosmetik kann tierische Inhaltsstoffe wie Bienenwachs oder Honig enthalten. Wenn dir vegane Pflege wichtig ist, achte auf eine gesonderte Kennzeichnung.
Woran erkenne ich, wie viel Aloe Vera wirklich drin ist?
Der Werbespruch auf der Vorderseite hilft dir wenig. Aussagekräftiger ist die INCI-Liste, denn die Reihenfolge zeigt die Mengenverhältnisse. Steht die Aloe weit vorn, ist sie ein tragender Bestandteil.
Welches Siegel trägt Santaverde?
Santaverde ist NATRUE-zertifiziert, nicht COSMOS-zertifiziert. Dazu kommen die Zertifikate Vegan, Bio, PETA Approved und Cruelty Free.
Ein Wort zum Schluss
Zertifizierte Naturkosmetik ist kein Zauberwort, sondern eine überprüfbare Zusage. Sie sagt dir, worauf verzichtet wurde und woher die Rohstoffe kommen. Für uns ist das seit über 30 Jahren die Grundlage unserer Arbeit, seit die Geschichte 1986 auf einer kleinen Finca in Andalusien begann. Wenn du beim nächsten Einkauf auf ein echtes Siegel und den Anfang der INCI-Liste schaust, triffst du eine bewusstere Entscheidung. Und mehr braucht es oft nicht.




