8 - Unter den Wurzeln wächst ein Labor

Jetzt waren wir also eine Firma, die auch im Handel gelistet war, langsam aber sicher an Bekanntheit gewann, fast hätte ich gesagt, alles lief nach Plan...

Labor

Jetzt waren wir also eine Firma, die auch im Handel gelistet war, langsam aber sicher an Bekanntheit gewann, fast hätte ich gesagt, alles lief nach Plan. Es lief ja nicht nach Plan, sondern wir hatten uns immer um das gekümmert, was uns gerade am wichtigsten erschien. Nach wie vor hatten mein Mann und ich, wie schon seit vielen Jahren, andere Berufe, die unseren Lebensunterhalt sicherten. Doch jetzt, mit unserem Vertriebspartner im Großhandel und den ersten Verkaufserfolgen, schlich sich die Aloe Vera auf Platz 1 unserer Prioritätenliste.

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Abb. Das erste gemietete Labor am Dorfrand von Estepona

Von Anfang an hatten wir die Blätter der Aloe Vera nicht nur geerntet, sondern direkt vor Ort verarbeitet. In Handarbeit werden die Aloe Vera Blätter geöffnet und die Filets schonend herausgelöst und, um Wirkstoffverluste zu vermeiden, direkt gefroren.
 
Zuerst hatten wir das für eine kurze Zeit in einem gemieteten Labor gemacht. Das hatten wir über Manolo und seinen Schwiegersohn im Industriegebiet in Estepona bekommen. Es war immerhin besser als kein Labor, aber wir fühlten uns nicht so wohl, es passte überhaupt nicht zu unseren Vorstellungen und es war uns klar, dass dies nur ein Übergang sein konnte. Wir dachten angestrengt darüber nach, etwas anderes zu finden.

 

Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, dass wir anscheinend telepathische Kräfte haben und immer, wenn wir selbst ein Problem nicht lösen können wie von Zauberhand jemand erscheint, der weiß, was gemacht werden muss.

Diesmal war es Ingo Pott, ein Freund von uns und Architekt aus Berlin, der uns später auch bei den Wühlmäusen helfen würde. Ingo war der ideale Sparringspartner für Ideen und schaute sich permanent auf der Finca um, was man alles irgendwie besser machen könnte. Bei einem seiner Besuche auf der Finca und nach einem weinseligen Mittagessen mit Kurt, sagte er: „Ihr braucht euer Labor direkt auf eurem Gelände, und ich weiß auch schon, wie das geht.“ Wie sollte das gehen? Alles, was wir noch an Platz frei hatten, war ein Stück stark abschüssiges Gelände. Sollten wir darauf bauen und dann gleich eine Seilbahn dazu? Und uns außerdem einen schiefen Klotz hinstellen, der nebenbei die gesamte Optik des Anwesens in Mitleidenschaft ziehen würde?

 

Nein. Ingo hatte die tollkühne Idee, organisch in den Hang hineinzubauen. Der Boden nach hinten und an den Seiten isolierte das Gebäude für Kühle im Sommer und Wärme im Winter. Die Form des Anwesens und die Aussicht für diejenigen, die sich darauf und darin befanden, wurde nicht gestört. Die fast vollkommene Verglasung, kaum unterbrochen von einer eleganten Metallrahmung, schuf, jedenfalls aus unserer Sicht, eine sehr moderne, fast futuristische Anmutung, die ein Stück Deutschland im Sinne von High Quality und Liebe zur Perfektion auf die Finca holte.
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Abb. Das gerade fertiggestellte Laboratorio

Wer sich in dem Gebäude befand, wurde fast gezwungen, akribisch und besonders sorgfältig zu arbeiten, wenn er oder sie das nicht sowieso schon tat. Die Kühlräume mit den Schockgefrierern waren nicht nur praktisch, sondern vermittelten auch ein penibles Gefühl von Sterilität und Sauberkeit.

 

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Abb. Molly, Cookie, Pepe, Bobby und Lara holen sich Streicheleinheiten ab

Dasjenige Interieur, das keinen technischen Zwecken diente, wirkte freundlich und einladend. Wer hier hereinkommt, fühlt sich willkommen, bekommt gleichermaßen ein Gefühl von High Tech, aber auch von Offenheit und Transparenz, das wir sehr wichtig finden im Zusammenhang mit Naturkosmetik. Hell und freundlich zum Rausgucken für die Mitarbeiter und zum Reinkommen für die Besucher, denen wir zeigen, wie die Blätter verarbeitet werden, was dann passiert, wie wir Reste verwerten und wie man Analysen direkt vor Ort durchführen kann.

Und vor der Tür auch gerne unsere gepflegte und gut gefütterte Hundemeute, allesamt aus dem Tierheim in Estepona, die schwanzwedelnd jeden begrüßt, gestreichelt werden möchte und einen weiteren interessanten Kontrast bildet, der sonst wo irritieren könnte, aber hier passt.

 

Mein Mann, der sich ungern mit Lob aus dem Fenster lehnt, war völlig aus dem Häuschen: „Die Mischung zwischen Klarheit, Intelligenz und Freundlichkeit in der Architektur macht die Menschen in diesem Gebäude kreativ. Das Labor ist ein Vergrößerungsglas für unsere Ideen.“ Er hat zwar auch schon gesagt, man muss selbst in einem Fritten-Restaurant gute Ideen produzieren können, aber vielleicht hätte er da dann nicht die Ideen gehabt, auf die er hier noch kam.
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Abb. Labor und Natur in eleganter Schönheit vereint

Was mich betraf und was mir besonders wichtig war: Es gab mit dem Labor keinen Bruch, sondern eine logische und sehr elegant gedachte Weiterführung unserer Aktivitäten auf der Finca. Die nachhaltig sind, naturverbunden, ganzheitlich, so beinahe schon per se ästhetisch und langfristig gedacht. Es war ein weiterer großer Schritt.

 

Ingo hatte uns ein Labor, einen Showroom und eine Ideenfabrik in einem Stück in den Hang hineingebaut. Wir konnten jetzt nicht nur die Aloe Vera unter optimalen Bedingungen für die weitere Verarbeitung in Deutschland vorbereiten, wir konnten experimentieren und Untersuchungen durchführen.

Insbesondere für meinen Mann, dessen Spieltrieb und dessen Neugier unerschöpflich sind und wie ich befürchte, wahrscheinlich niemals versiegen werden, war das Labor ein Paradies, in dem er sehr viel Zeit verbracht und einige sehr wichtige Entdeckungen gemacht hat…

 

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