12 - Das heilige Grün

Kapitel12 1 Zwischenbilanz header

Wenn man von unserer Veranda auf einen der Hügel über Estepona blickt, sieht man den Himmel, das Meer und weit weg, schemenhaft Marokko und das Atlasgebirge auftauchen. Manchmal sitzt man da am Wochenende, wenn es stiller ist, zum Beispiel im Winter, wenn der Wind die Sonne filtert, genießt eine Tasse Tee oder Kaffee, blickt zurück und denkt nach wie alles so gekommen ist. Ich erinnere mich, wie es ganz am Anfang war. Wir hatten die Finca gekauft und nichts deutete damals darauf hin, dass auf diesem Grund bald tausende von Aloe Vera-Pflanzen wachsen und gedeihen würden. Nichts wies auf Santaverde hin, auf das Unternehmen, das einen erst steinigen, aber auch richtigen, fantastischen und einzigartigen Weg gegangen ist.

Kapitel12 2 Zwischenbilanz kinder sommer

Die ersten beiden Sommer in den 80iger Jahren war die Finca Ferienhaus. Für uns, aber auch für Ines und Luz, die Kinder von Manolo und Luisa, fast genau so alt wie unsere 7-jährige Natalie und ihre Freundin Saskia, mit denen wir die Sommerferien hier verbrachten.

Hinter dem Haus gab es den quietschblau gestrichenen Pool, ungefähr 10 Meter lang, 6 Meter breit und schön tief, ein großes, nasses Fest für Kinder in den Sommerferien, in dem man viel Zeit verbringen konnte mit Luftmatratzen, Reinspringen, Rettungsringen, Um die Wette tauchen, Schwimmen, Kreischen, Lachen und Blaue Lippen bekommen. Hier verbrachten Natalie und Saskia meistens den Vormittag.

Abb. Aufregend: Ines, Luz und Natalie im Restaurant

Kapitel12 3 Zwischenbilanz Manolo Pferd

Nachmittags waren sie oft oben bei Luisa, in ihrer kleinen Küche, mit dem knallbunten Fransenvorhang an der Tür, und alle wurden bekocht. Wenn Manolo auch dabei war, zog er Grimassen, erzählte Witze, und ab und zu machte der gelernte Tierpfleger auch elegante Kunststückchen mit den Pferden. Nachts war der Himmel hell, von unzähligen Sternen übersät. Im Bett hörten die Kinder Pippi Langstrumpf- und Bibbi Blocksberg-Kassetten, und ab und zu kletterten sie aus dem Fenster. Das war eigentlich verboten, weil es doch schon etwas hoch und nicht ungefährlich war, und unten stand auch ein Kaktus mit großen, kräftigen Stacheln. Dann liefen sie auf dem sternenbeleuchteten Hof herum oder besuchten Ines und Luz oben am Hang und sprangen zu ihnen ins Bett.

Abb. Manolo, der Pferdeflüsterer

Kapitel12 4 Zwischenbilanz Natalie Pferdekuss

Vielleicht das Schönste für Natalie und Saskia waren die vielen verschiedenen vierbeinigen Bewohner des Geländes. Da waren die Schweine, die Ziegen, die Kaninchen, die bei Manolo und Luisa lebten. Dann die Pferde, die Manolo in Pflege hatte. Es gab wilde Katzen, es gab die Hühner, es gab herrenlose Hunde, die wir bei uns aufgenommen hatten, und wenn man die ein wenig bestochen hatte, konnte man mit ihnen unendlich schmusen. Manolo sorgte für viel Spaß bei seinen vergeblichen Versuchen, „Purzel“ richtig auszusprechen und brach dabei auch gern selber in großes Gelächter aus. Die Katzen waren anders, weniger zutraulich als die Hunde. Katzen eben. Und die Hühner kamen auch nicht von selber. Aber die Hühner konnte man gut packen und mit ihnen wegrennen.

Abb. Küsschen für´s Pferd von Natalie

Kapitel12 2 Zwischenbilanz Kinder

Auch wenn es erst ein Riesengegacker gab und die Hühner das Weite suchten. Weil sie wenig Lust hatten, mitzuspielen, trieb man sie in eine Stallecke, damit sie nicht mehr ausbüchsen konnten und schnappte sie sich dann. Mit einer Mischung aus Stolz und Zuneigung präsentierten die Mädels dann ihr Huhn im Arm oder setzten sich ihr Huhn dann sogar auf den Kopf, wo die Hühner dann übrigens auch gerne Platz nahmen und eine Zeitlang über den Dingen thronen durften.

In dieser lebendigen und ursprünglichen Atmosphäre, und es gibt wahrscheinlich kein besseres Wort dafür als Atmosphäre, verschob sich für uns die Sicht der Dinge. Genuss, Freude, Lebensqualität fühlten sie auf einmal anders und intensiver an.

Abb. Saskia, Luz, Natalie, Ines (v.l.n.r.) und die wilden Hühner

Kapitel12 5 Zwischenbilanz Claudio Hund

Heute ist Estepona ein bezauberndes Städtchen geworden, mit manchmal mehr Touristen im Sommer als uns lieb ist. Das Anwesen und die Gebäude sind bis auf das Herrenhaus von Grund auf saniert. Manolo ist in Rente gegangen und die Pferde, Ziegen, Schweine und Kaninchen sind schon lange nicht mehr da.

An Manolos Stelle ist Claudio getreten, der sich mit großer Empathie um die ganze Finca und unser Hunderudel kümmert, das aus dem Tierheim Adana in Estepona stammt. Diese wilde Mischung aus verschiedensten Rassen und Größen begrüßt, gut gepflegt und gut ernährt, alle Besucher freundlich und liebt es die Gäste eine Weile neugierig zu verfolgen. Oder zumindest aufmerksam zu beobachten.

Abb. Claudio kümmert sich auch rührend um die Hunde

Kapitel12 6 Zwischenbilanz Finca

Jedes Jahr ist irgendetwas dazugekommen oder etwas umgebaut worden. Dazu die großen Felder, das moderne Labor unten im Felsen. Aber: Wenn man sich die Bilder von damals und heute ansieht, ist der Gesamteindruck interessanterweise gar nicht so viel anders. Generalüberholt, instandgesetzt, modernisiert, unseren Wünschen und Anforderungen angepasst. Dennoch:

Die Magie ist da wie von Anfang an. Das Licht und die Farben, die Natur, diese herrliche, große Kulisse, in der wir strenggenommen nur einige Requisiten verändert haben, strahlt wie vorher. Die Finca ist ein Ort, in den man eintaucht, dem man sich nicht entziehen kann und dessen verzaubernde, lebendige Energie uns, unsere Art zu denken und zu handeln von Anfang an geprägt hat.

Es gab sogar Momente, ich denen habe ich gedacht, nicht wir haben uns die Finca ausgesucht, sondern sie sich uns. Warum kaufen sich 2 gelernte Kaufleute für ihr Ferienhaus tausende von Pflanzen für sehr viel Geld und wissen erst gar nicht, ob sich das jemals amortisiert? Dann das endlose Forschen und unser eisernes Beharren auf größtmöglicher Reinheit und Wirksamkeit der Produkte. Das Suchen nach der richtigen Emulsion. Und was sonst noch.

Abb. Die Santaverde Finca inmitten der Aloe Vera Felder

Wir hätten es auch einfacher haben können, aber wir wollten es so und nicht anders. Gut, wir sind beide Unternehmer und geben nicht so schnell auf. Und wer was unternimmt, muss viel arbeiten. Aber die Einstellung zur Natur, die Idee vom Geben und Nehmen, der Respekt, die Liebe zu den Pflanzen, woran wir glauben und was wir dann eben auch ausgestrahlt haben, all das war vorher nicht in der Form da. Und es kam nicht einfach aus dem Nichts. Es kam mit der Finca. Hier haben wir die intensive Wirksamkeit von Klima, Licht, Farben und Natur, die man wachsen lässt, am eigenen Leib erlebt. Und wer uns einmal besucht hat, und selbst erlebt hat, wie es dort ist, weiß, wovon ich spreche.

Seit einigen Jahren veranstalten wir Seminare, zu denen uns Mitarbeiter von Geschäften besuchen, die unsere Produkte führen. Fragen Sie bei Ihrem nächsten Einkauf vielleicht mal die Verkäuferin oder den Verkäufer, ob sie unsere Finca schon besucht haben. Und wenn, wie es ihnen gefallen hat und woran sie sich erinnern.

Kapitel12 7 Zwischenbilanz Sabine Beer

Wir sind jetzt, Spanien und Hamburg zusammengezählt 30 Leute bei Santaverde, also immer noch ein verhältnismäßig kleines Unternehmen. Wir finden es aber auch gut, dass wir immer noch nicht riesig sind. Denn dann wird es oft weniger überschaubar, mit den dementsprechenden Folgen, was Firmenkultur und Qualität betrifft. Und ich mag den Gedanken, dass Santaverde auch in den nächsten 30 Jahren keine große Weltfirma wird, Aktiengesellschaft oder etwas ähnlich Unpersönliches, in einem Wolkenkratzer mit Umsatzkurven auf Computermonitoren.

Mein Santaverde braucht Menschen, die immer ganz nah dran sind an den Pflanzen, sich wirklich kümmern. Und dafür wertvolle Rohstoffe von den Pflanzen zurückbekommen. Das ist unser "Geschäftsmodell". Oder meins. Und genau so soll es auch bleiben.

Abb. Immer mittendrin - Sabine Beer, Gründerin von Santaverde, mit Vorarbeiter Claudio Itcou

Ich bin dankbar dafür, wie es bis jetzt gelaufen ist. Ich bin dankbar dafür, was wir erreicht haben und auch, wie wir es erreicht haben.

Und wenn ich dann von meiner Holzbank auf der Veranda auf das Meer gucke und überlege, was das allerschönste war in den letzten bzw. den ersten 30 Jahren von Santaverde, dann war es, dass ich es genau so gemacht habe, wie ich es für richtig gehalten habe.

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